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Unfälle in Kletterhallen

DAV-Sicherheitsforschung präsentiert eine Studie zum vieldiskutierten Thema  Tube, Bremshand, Schlappseil und Boulderunfällen

Unfälle in Kletterhallen sind selten. Ein Kletterer müsste über 100 Jahre lang zweimal pro Woche drei Stunden in die Halle gehen, bis er von einem Unfall betroffen ist, so die Statistik. Sicherungsfehler hingegen sind erschreckend häufig. Die DAV-Sicherheitsforschung hat erstmals Daten zu Unfällen in Kletterhallen gesammelt und untersucht. 2012 und 2013 meldeten auf Anfrage des DAV 31 Hallenbetreiber insgesamt 161 Kletterunfälle.

Meistens ist der Sichernde Schuld
78 % der gemeldeten Unfälle passieren beim Vorsteigen. Das ist wenig überraschend. Erschreckend ist jedoch, dass an zweiter Stelle ( 12 % ) Unfälle beim Ablassen stehen, einige davon mit Wirbelsäulenverletzungen. Der Rest geschah beim Toprope-Klettern ( 7 % ) und beim Sturztraining ( 3 % ). Die meisten fatalen Fehler macht nicht der Kletterer sondern der Sicherer: 58 % der Bodenstürze (ohne Ablassunfälle) sind die Folge falschen oder schlechten Sicherns. Hier steht seit einigen Monaten das weit verbreitete Sicherungsgerät Tube im Zentrum der Diskussion: mit den Tubern passieren rund 70 % aller Unfälle (obwohl nur ca. 60 % der Kletterer mit Tube sichern, Stand 2012). Die drei häufigsten Fehler bei der Bedienung des Sicherungsgeräts sind: Verletzung des Bremshandprinzips, ein unsauberer Griff um das Bremsseil, eine falsche Position der Bremshand. Auch bei den Ablassunfällen wird häufig angegeben, dass der Sicherer das Bremsseil nicht ausreichend kontrollieren konnte. Immer wieder wird als Unfallursache „zu schnelles Ablassen“ angegeben.

Tube or not Tube?

Der klassische Tube ist das Expertengerät für fortgeschrittene Sicherungsaufgaben wie dem dynamischen Sichern sehr leichter Kletterer und / oder bei viel Seilreibung; um mit Tube sicher zu sichern, braucht man Erfahrung im Halten von Stürzen, gute Bewegungsroutine und ausreichend Handkraft. Vor allem für Gelegenheitskletterer, Anfänger und leichte Sicherer empfiehlt die DAV-Sicherheitsforschung Halbautomaten (Click-Up, Smart, Grigri, Ergo, Mega Jul). Sie bieten bei korrekter Bedienung ein Plus an Sicherheit. Jedes dieser Geräte hat seine Besonderheiten, eine kompetente Einweisung ist dringend zu empfehlen.

Zu viel Schlappseil und zu wenig Aufmerksamkeit
Die Unfallstatistik zeigt, dass bei den geräteunabhängigen Sicherungsfehlern zu viel Schlappseil am häufigsten zum Unfall führt. Weitere typische Sicherungsfehler, die nicht vom Gerät abhängen, sind ein zu großer Abstand des Sicherers zur Wand und zu großer Gewichtsunterschied zwischen Kletterer und Sicherer. Außerdem ist die mangelnde Aufmerksamkeit des Sicherers eine häufige Unfallursache. Stürzt der Kletterer in einem Moment, in dem der Sicherer nicht damit rechnet, kann er die Kontrolle über das Bremsseil verlieren.

Gerader Routenverlauf begünstigt Bodenstürze
Auch die Kletterer machen Fehler. Oft führt der Fehler des Sicherers nur deshalb zu einem schweren Unfall, weil der Kletterer unnötig tief fällt. Das passiert zum Beispiel, wenn er eine Zwischensicherung auslässt. Wegen des geraden Routenverlaus ist nämlich in Kletterhallen die Seilreibung in der Regel sehr niedrig. Daduch wird der Sturzzug besonders groß und bei einem Sicherungsfehler droht schnell der Bodensturz. 45 der 91 gemeldeten Seilkletterunfälle endeten mit Aufschlag auf dem Hallenboden. In sechs Fällen wurden auch unbeteiligte Dritte vom herabfallenden Kletterer ernsthaft verletzt.

Gefahr: Sturz beim Clippen
Ein Fünftel der Vorstiegsunfälle ereignete sich bei einem Sturz im Moment des Clippens. Durch das Ausgeben des Seils ist die Schlappseilmenge groß und damit die Sturzenergie besonderes hoch. Zudem ist der Sicherer in diesem Moment gerade dabei, Seil auszugeben - ein Moment in dem weniger erfahrene Sicherer oft nicht volle Kontrolle über das Bremsseil behalten. Verschärft wird die Situation durch überstrecktes Clippen, also das Clippen über Brusthöhe. Um das Risiko eines Sturzes zu minimieren muss der Vorsteiger immer aus stabiler Position clippen.

Mehr Unfälle beim Bouldern als beim Seilklettern
Beim Bouldern passieren prinzipiell mehr Unfälle als beim Seilklettern: Über 40 Prozent der gemeldeten Unfälle sind Boulderunfälle, obwohl nur knapp 20 Prozent der Gäste in DAV Kletteranlagen bouldern. Allerdings sind die Unfälle weniger schwer. Verdrehte Gelenke, an- oder abgerissene Bänder, gebrochene Arme und Beine können die Folgen eines Sturzes sein. Lebensgefährliche Verletzungen sind aber extrem selten.

Sichern verlangt kompetente Ausbildung
Generell gilt: Sichern verlangt eine kompetente Ausbildung. Auch routinierte Kletterer profitieren von einem Sicherungs-Update mit Sturztraining. Alpenvereinssektionen und Bergschulen mit staatlich geprüften Bergführern, oft auch Kletterhallenbetreiber bieten Sicherungskurse für Anfänger und Fortgeschrittene.

Details zur DAV-Studie

aw/6/15

 

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